Niemandsland II – Warten
Mit der Dauer verändert sich auch das Gesicht der Hoffnung. Am Anfang trägt sie noch Licht in den Händen. Sie steht am Rand des Morgens und spricht in vorsichtigen, freundlichen Sätzen. Doch je länger das Warten dauert, desto stiller wird sie. Nicht, weil sie verschwindet, sondern weil sie selbst lernt, sparsamer zu werden. Zu einem anderen Zeitpunkt sitzt sie nur noch neben mir wie eine müde Begleiterin, die verstanden hat, dass große Worte in solchen Zeiten fast beleidigend wirken. Dann besteht Hoffnung nicht mehr darin, an Wunder zu glauben. Sondern darin, den nächsten Abend zu erreichen, ohne innerlich zu zerbrechen.
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